Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Retkironski. Originalquelle: Ronja Berlin / @retkironski.
Winterwandern – und besonders Übernachtungstouren im Winter – können anfangs aufregend wirken.
Wie bleibe ich trocken? Wird mir tagsüber kalt? Und nachts? Was mache ich, wenn mir draußen kalt wird? Ist meine Ausrüstung überhaupt für den Winter geeignet?
All das sind ausgezeichnete Fragen. Gerade durch diese Überlegungen stellst du sicher, dass du gut auf deine Wintertour vorbereitet bist.
Gehen wir als Nächstes die wichtigsten Grundprinzipien des Winterwanderns anhand dieser Fragen durch.
Im Winter ist die größte Herausforderung meist nicht die Kälte, sondern das Schwitzen. Wenn es ein Hauptziel für die Tour gäbe, wäre es dieses: Bewege dich so, dass du nicht ins Schwitzen kommst.
Die passende Fortbewegungsart für das Gelände ist wichtig, denn sie bestimmt auch, wie du deine Ausrüstung transportierst. Auf Wintertouren ist man oft mit Ski oder Schneeschuhen unterwegs und zieht die Ausrüstung im Pulka (Schlitten) hinter sich her. So vermeidest du einen schweren Rucksack und einen verschwitzten Rücken.
Ein häufiger Fehler ist es, sich schon beim Start zu warm anzuziehen. Wähle deine Kleidung so, dass dir beim Losgehen sogar ein wenig kühl ist.
Beispiel für die Bekleidung bei einer Winterwanderung in starker Kälte:
Netzunterwäsche
Merinowolle oder technische Unterwäsche
Hardshelljacke und -hose
Buff, Mütze und Handschuhe
Das Zwiebelprinzip ist entscheidend, und passe deine Kleidung rechtzeitig an – bevor du ins Schwitzen kommst.
Viele Outdoor-Kleidungsstücke haben Belüftungsöffnungen, die auch im Winter genutzt werden sollten. Durch die Ventilation kann überschüssige Wärme und Feuchtigkeit entweichen.
Tagsüber lässt sich die Körperwärme durch Bewegung leicht regulieren. Ein ruhiges, gleichmäßiges Tempo hält dich besser warm als ein schnelles Tempo mit langen Pausen.
Ein bewährter Rhythmus ist zum Beispiel 50 Minuten Bewegung und 10 Minuten Pause. So bleibst du warm und bekommst regelmäßig Energie und Flüssigkeit.
In den Pausen ist es wichtig, sofort zusätzliche Kleidung anzuziehen, damit die gespeicherte Wärme nicht verloren geht. Eine leichte, klein verpackbare Daunenjacke ist hierfür ideal.
Kommst du verschwitzt im Lager an, ziehe so schnell wie möglich trockene Kleidung an. Leicht feuchte Kleidung trocknet oft am Körper durch die eigene Wärme, solange du weitere warme Schichten darüber ziehst.
Die Materialwahl ist sehr wichtig. Netzunterwäsche transportiert Feuchtigkeit effektiv von der Haut weg, darüber isoliert Merinowolle oder Wolle sehr gut. Baumwolle sollte vermieden werden, da sie langsam trocknet und sich nass kalt anfühlt.
Wenn dir abends vor dem Schlafengehen kalt ist, wärme dich durch Bewegung auf, bevor du in den Schlafsack gehst. So wird der Schlafsack schneller durch deine Körperwärme warm.
Zusätzliche Wärme bekommst du auch durch eine Wärmflasche: Fülle kochendes Wasser in eine dafür geeignete Flasche (z.B. Nalgene), stecke sie in eine Socke und nimm sie mit in den Schlafsack. Die Flasche gibt die Wärme bis weit in die Nacht ab. Das funktioniert übrigens auch in anderen Jahreszeiten.
Ziehe im Schlafsack bei Bedarf zusätzliche wärmende Kleidung an und ziehe die Kapuze eng zu, damit die warme Luft im Schlafsack bleibt.
Winterwandern kann ausrüstungsintensiv wirken, aber du musst nicht alles neu kaufen. Viele vorhandene Ausrüstungsgegenstände lassen sich auch im Winter nutzen.
Ein gutes Beispiel ist der Schlafsack. Wenn du bereits einen Sommerschlafsack und einen 3-Jahreszeiten-Schlafsack hast, kannst du sie oft für den Winter übereinander verwenden. Die Kombination bietet überraschend viel zusätzliche Isolierung.
Auch bei der Isomatte ist die Isolierung entscheidend, da die Kälte vom Boden aufsteigt. Lege eine Schaumstoffmatte auf eine 3-Jahreszeiten-Matte, um die Gesamtdämmung deutlich zu verbessern.
Ich selbst benutze das ganze Jahr über eine Isomatte mit einem R-Wert von 8,5. Ich habe also in eine hochwertige Matte investiert, die mich das ganze Jahr über in allen Bedingungen begleitet.
Wenn du kein Winterzelt hast, kannst du das Übernachten zunächst z.B. in einer Schutzhütte oder bei gutem Wetter sogar unter freiem Himmel im eigenen Garten ausprobieren. So bekommst du ein Gefühl für die Winterbedingungen, ohne große Ausrüstungsanschaffungen. Auch geführte Wintertouren sind eine gute Möglichkeit, Ausrüstung und Übernachtung sicher zu testen.
Beim Kochen im Winter wird oft ein Mehrstoffkocher verwendet, der auch bei Frost zuverlässig funktioniert. Für die ersten Touren, besonders Tagestouren, empfiehlt es sich jedoch, warmes Essen vorab in einer Thermoskanne mitzunehmen. So kannst du auch testen, welche Outdoornahrung im Winter funktioniert.
Fange klein an und probiere dich aus.
Im Winter ist es auch gut, ein wenig Unbequemlichkeit zu akzeptieren, denn es wird zwangsläufig manchmal kalt. Mit zunehmender Erfahrung lernst du schnell, was du wirklich von deiner Ausrüstung brauchst und womit du auch auf längeren Touren zurechtkommst.
Beim Kauf neuer Ausrüstung lohnt es sich, auf Qualität und Vielseitigkeit zu achten. So hast du lange Freude an deiner Ausrüstung und kannst sie zu verschiedenen Jahreszeiten nutzen. Trau dich, es auszuprobieren – Erfahrung sammelt sich von Tour zu Tour, und die Winterabenteuer bleiben in Erinnerung.